Krimi-Check: So war der "Tatort: Böser Boden"

"The Walking Dead" in Niedersachen?

Schon wieder ein (misslungenes) Krimi-Experiment: Der "Tatort: Böser Boden" zitiert Zombie-Filme ...

Falke unter Zombies?

Darum geht’s:
Torsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Julia Grosz (Franziska Weisz) ermitteln im ländlichen Niedersachsen: Arash Naderi, ein kürzlich eingewanderter Iraner, wurde erst verprügelt, dann erstickt. Bei den Ermittlungen im Dorf geraten die Kommissare zwischen die Fronten eines Öko-Krieges: Die Bewohner – vorwiegend Bio-Bauern – rufen zum Widerstand gegen einen Fracking-Konzern auf, der im Ort eine Energie-Gewinnung im großen Stil betreibt. Und Naderi arbeitete für das Unternehmen als Fahrer. Grosz sind die Menschen hier unheimlich: Sie haben blutige Hautausschläge, sind leichenblass – und im wahrsten Sinne des Wortes bissig.

Zombies und Hirsefresser

Die Kommissare:

Über eineinhalb Jahre ist es her, dass Wotan Wilke Möhring alias Kommissar Torsten Falke an der Seite von Franziska Weisz (Julia Grosz) auf dem Bildschirm ermittelte. So richtig warm wird das Duo auch diesmal nicht miteinander:

Realitäts-Check

Das sehr reale Thema Fracking und Zombies – wie geht das zusammen? 

Die Drehbuchautoren sagen:

"Seit Februar 2017 gibt es strenge Auflagen für Fracking in Deutschland. Aber auch bei der konventionellen Gasförderung besteht der Verdacht, dass Giftstoffe aus den Bohrstellen in die Umwelt gelangen. Im niedersächsischen Rotenburg schlagen die Ärzte Alarm, weil sich Krebserkrankungen häufen. Bürgerinitiativen vor Ort machen die Entsorgung der Lagerstättengewässer dafür verantwortlich. Sie malen düstere Szenarien über die Zerstörung ihrer Lebenswelt. Gleichzeitig zeichnen Industrie und Politik ein ganz anderes Bild der Lage. Aus ihrer Perspektive ist alles vollkommen risikofrei. In diesem Spannungsfeld entstehen starke Emotionen wie Angst und Zorn. Das ist ein guter Nährboden für unsere Kombination von Krimi und Horrorgenre.
(Georg Lippert)

Wir spitzen die Geschichte in dem Sinne zu, dass Geist und Seele der Menschen Schaden genommen haben. Der Hass auf den Konzern hat sie emotional vergiftet. Diese Doppelbödigkeit herzustellen, war für uns die große Herausforderung.
(Marvin Kren)

Einschalten oder abschalten:

Drei Wochen nach dem Horrorfilm-"Tatort: Fürchte dich" nun also ein Film, der mit Versatzstücken aus dem Zombie-Genre spielt. Der vergiftete, "böse Boden" macht aus den Dorfbewohnern offenbar Untote. Raffinierter Kniff der Krimi-Macher: Der Zuschauer kann das Geschehen mit dem nüchternen Blick Falkes sehen oder mit den Augen seiner Kollegin. 

Trotzdem: Das Spiel mit den Genres ausgerechnet mit dem Thema Fracking zu verbinden, mag für die Autoren schlüssig und für die Maskenbildner ein Fest gewesen sein. Für die Mehrheit der Zuschauer ist es keines. Ebenfalls nervig: Die Dunkelheit, die fast ständig über dem Geschehen liegt. Auch die hat laut Regisseurin Sabine Bernardi ("Der Club der roten Bänder") einen guten Grund: "Im Film haben wir uns für die dunkle Seite entschieden, das Helle blieb der Realität vorbehalten." Uns bleibt zum Glück der Griff zur Fernbedienung vorbehalten. Abschalten!

Erstausstrahlung: 26.11.2017, 20.15 Uhr, Das Erste

Wie brutal ist der "Tatort: Böser Boden":

Autor: Stefanie Moissl

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