Krimi-Check: So ist der "Tatort: Waldlust"

Ein Krimidinner wie ein Reste-Essen

Nach "Babbeldasch" improvisieren die Ludwigshafener schon wieder. Das Ergebnis? Ein Brei aus Agatha Christie und "Shining".

Lena Odenthal (Ulrike Folkerts, l.) und Johanna Stern (Lisa Bitter) haben verdächtige Geräusche gehört

Team-Therapie im Horror-Hotel

Darum geht's:

Mario Kopper ist weg und hat desorientierte Kollegen hinterlassen. So werden Lena Odenthal (Ulrike Folkerts), Johanna Stern (Lisa Bitter), Peter Becker (Peter Espeloer) und Frau Keller (Annalena Schmidt) zu Teambildungsmaßnahmen in einem abgeschiedenen Hotel im Schwarzwald verdonnert. Der "Lorenzhof" hat allerdings nicht nur seine besten Tage hinter sich, sondern auch eine Leiche im Keller. Die Toten häufen sich wie der Schnee vor der Tür. Bald sind die Kripo-Beamte in der Einöde eingeschlossen. Und müssen unter den skurrilen Ortsansässigen, Hotel-Betreiber Bert Lorenz (Heiko Pinkowski), dessen Nichte Doro (Eva Bay), einer hochbetagten Film-Diva (Ruth Bickelhaupt) und einem Polizisten-Paar (Jürgen Maurer, Christina Große), einen Mörder finden.
 

Die Kommissare ...

... versuchen sich in einem Grusel-Kabinett voller Edgar-Wallace-Typen zu behaupten.

Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) hält die seltsamen Ereignisse im "Lorenzhof" für die Inszenierung ihres Team-Coaches (Peter Trabner) und lässt sich nicht einmal durch einen Menschenknochen im Vegan-Menü davon überzeugen, die Ermittlungen aufzunehmen.

Johanna Stern (Lisa Bitter) muss einiges aushalten. Behält aber den Überblick.
 

Improvisiere, wem Improvisation gegeben

Einschalten oder abschalten?

Nach "Babbeldasch" improvisieren die Ludwigshafener schon wieder. Wieder gibt das Konzept von Autor Sönke Andresen keine Dialoge vor. Regisseur Axel Ranisch setzt bei "Waldlust" allerdings ausschließlich auf Profischauspieler. Und so merkt man schnell: Es hat nicht an den Laien gelegen, dass der erste Impro-"Tatort" nicht funktioniert hat. Bei einem Krimi kommt es nun einmal auf Präzision und Zuspitzung an – genau das aber fehlt den improvisierten Dialogen. Vor allem Ulrike Folkerts scheint mit jedem Satz zu ringen. So wirkt der Film am Ende nur wie ein Krimidinner mit Onkel Heiko und Oma Ruth. Dazu kommt das Setting – ein abgelegenes Horror-Haus, Mörder inklusive –, das man schon 1000 Mal gesehen hat. Ob in Agatha Christies "Und dann gab‘s keines mehr", Stanley Kubricks "Shining" oder der Parodie "Eine Leiche zum Dessert". "Waldlust" ringt diesem Thema nichts Originelles ab. Kein Wunder also, dass viele Kritiker im Vorfeld vor allem den Soundtrack lobten: Martina Eisenreich hat nur aufgrund des Konzepts eine viersätzige "Tatort"-Sinfonie komponiert. Das ist bemerkenswert. Die Singende Säge im Orchester sägt allerdings auch bemerkenswert am Hörnerv der Zuschauer ...

Aus Versatzstücken der Krimiklassiker zusammengebastelte Geschichte mit mühsam improvisierten Dialogen, die sich ziehen wie Kaugummi: Wenn zu den guten Vorsätzen für 2018 nicht gehört, jeden "Tatort" zu gucken, kann man getrost: Abschalten! Und stattdessen lieber nochmal "Eine Leiche zum Dessert" schauen.

Erstausstrahlung: 4.3.2018, 20.15 Uhr, Das Erste

Wie brutal ist der "Tatort: Waldlust"?

Autor: Martina Borgschulze

2.3.2018, 11.06 Uhr

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