Krimi-Check: So ist der "Tatort: Familien"

Tödliche Geheimnisse

Die Kölner Kommissare Ballauf und Schenk wurschteln sich in ihrem aktuellen Fall durch eine bisweilen langatmige Familientragödie.

Jütte (Roland Riebeling, l.) informiert Schenk (Dietmar Bär, M.) und Ballauf (Klaus J. Behrendt) darüber, was er herausgefunden hat.

Ein toter Junggeselle

Darum geht's:

Ivo Klein ist zur falschen Zeit am falschen Ort: Nach seinem Junggesellenabschied findet er eine Tasche mit einer halben Million Euro im Mülleimer neben einer Bushaltestelle. Kurz darauf wird er überfahren. Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) kommen schnell dahinter, dass der Mord an Klein das Ergebnis einer gescheiterten Geldübergabe war.

Eine Spur führt sie zum Kölner Wirtschaftsanwalt Rainer Bertram (Hansjürgen Hürrig). Der gesteht, dass er das Geld für eine Lösegeldforderung deponiert hatte. Seine Enkelin Charlotte Ritter wurde entführt. Jetzt heißt es warten, bis sich der Entführer wieder meldet. Solange befragen Ballauf und Schenk die Eltern der Abiturientin, Ludwig (Harald Schrott) und Ines (Nicole Marischka), ihren Bruder sowie ihren Freund Kasper Fröhlich (Anton von Lucke) und dessen Mutter Sandra Fröhlich (Claudia Geisler-Bading).
 

Falafel statt Currywurst

Die Kommissare ...

... essen statt der obligatorischen Currywurst Falafel in einem vegetarischen Imbiss. Den Großteil der langwierigen Ermittlungsarbeit hinter den Kulissen erledigt der drollige Praktikant Jütte (Roland Riebeling), der sich sogar ein Feldbett im Kommissariat aufstellen muss.

Kommissar Freddy Schenk (Dietmar Bär) hat Probleme mit seiner Frau, weil er den 30. Hochzeitstag vergessen hat. Er wirkt unkonzentriert und lässt seinen Ärger vor allem an Jütte aus.

Kommissar Max Ballauf (Klaus J. Behrendt), selbst nach wie vor Einzelgänger, nimmt das Familiendrama emotional ziemlich mit.
 

Dunkle Vergangenheit

Einschalten oder abschalten?

Seit 1997 sind Ballauf und Schenk in der Domstadt im Einsatz und haben bereits über 70 Fälle gelöst. Ihr aktueller - schon der Titel nimmt es vorweg - ist mehr Familiendrama als Krimi im eigentlichen Sinn. Im Zentrum steht eine Lebenslüge, die Familie Ritter einholt, sowie die tragische Verbindung der drei betroffenen Familien durch einen Arbeitsunfall. Beides liegt weit zurück, den Preis dafür muss die junge Generation zahlen. Autor Christoph Wortberg ("Der letzte Bulle") über den Film:

"Der Versuch, aus Liebe ein Geheimnis zu bewahren, mündet in die Katastrophe. Ihre Vermeidbarkeit macht sie zur Tragödie. ‚Hätten wir doch bloß vorher darüber geredet!‘ - diesen Satz kennt wohl jeder von uns."

Dass Kommunikation der Schlüssel in Familiendingen ist, muss auch Schenk lernen, den der Ärger mit seiner Frau vollkommen durcheinanderbringt. Fans des Kölner Duos sollten trotz der etwas langatmigen Geschichte trotzdem: Einschalten! Praktikant Jütte gibt einen wunderbaren Sidekick mit Potenzial zum Kultassistenten ab. Krimi-Hardliner, die Spannung statt Drama wollen: Abschalten!

Erstausstrahlung: 6.5.2018, 20.15 Uhr, Das Erste

Wie brutal ist der "Tatort: Familien"?

Autor: Björn Sommersacher

3.5.2018, 12.41 Uhr

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