Krimi-Check: So ist der "Polizeiruf 110: In Flammen"

"Braune Brote"

In ihrem aktuellen Fall geraten die Rostocker "Polizeiruf 110"-Kommissare Bukow und König in ein undurchsichtiges Geflecht von Rechtspopulisten, völkischen Siedlern und rechten Terroristen.

Bukow (Charly Hübner, l.) will, dass Erik Meissner (Patrick von Blume) auspackt

Tod einer Politikerin

Darum geht's:

Wahlkampf in Rostock: Nach einer Abendveranstaltung der rechtspopulistischen Partei "PFS" wird die Spitzenkandidatin für das Bürgermeisteramt, Sylvia Schulte, auf einem Acker bei lebendigem Leib verbrannt. Die Kommissare Bukow (Charly Hübner) und König (Anneke Kim Sarnau) schauen sich zunächst das Umfeld der Politikerin genauer an: Schultes Exmann Erik Meissner (Patrick von Blume), der als völkischer Siedler auf einem Bauernhof in der brandenburgischen Provinz lebt, gibt an, seine Exfrau seit Jahren nicht mehr gesehen zu haben. Vor allem Bukow nimmt ihm das nicht ab.

Assistent Anton Pöschel (Andreas Guenther) hört sich derweil in der Parteizentrale um und entdeckt, dass Schultes Referent, der Syrer Karim Jandali (Atheer Adel), nach der Wahlkampfveranstaltung die Halle im Streit mit seiner Chefin verlassen hat. Auch Schultes parteiinterner Rivale Roland Herlau (Michael Wittenborn) hat wohl etwas zu verbergen.
 

Die Kommissare ...

... stehen gehörig unter Anspannung. Das Disziplinarverfahren gegen König wegen Körperverletzung im Amt steht kurz bevor. Sie schlug mit einem Schraubenschlüssel auf einen Mann ein, der versuchte, sie zu vergewaltigen. Bukow wollte seine Kollegin mit einer Falschaussage decken. Was den aktuellen Fall betrifft, sind die beiden nicht unbedingt einer Meinung ...

Hauptkommissarin Katrin König (Anneke Kim Sarnau) bekommt angesichts der völkischen Siedler das blanke Kotzen: "Die süßen kleinen Kinder backen Brot. Die Mädchen mit straffen Zöpfen, die Jungs mit strammem Scheitel". Sie positioniert sich klar gegen die rechten Parolen. Wegen des Disziplinarverfahrens hat sie Angst um ihren Job.

Hauptkommissar Alexander Bukow (Charly Hübner) wohnt zurzeit mit seinem Sohn und seinem kriminellen Vater zusammen. Als Einheimischer hat er Verständnis für die schwierige Lage der Menschen in Brandenburg. König fragt er: "Was ist denn daran so schlimm, wenn Kinder Brot backen lernen? Wenn man sich kümmert, wird n' Brot nicht braun. Aber wenn man sich nicht kümmert, dann wird n' Brot braun. Dann wird's sogar dunkelbraun."
 

Einschalten oder abschalten?

Im "Tatort: Freies Land" ermittelten die Münchner Kommissare Batic und Leitmayr im Reichsbürger-Umfeld. Nur eine Woche später bekommen es die Rostocker "Polizeiruf 110"-Kollegen mit einer ähnlichen Gruppierung zu tun. "Jedes Motiv und jedes Milieu im Film hat seine Verankerung in der Realität", sagt Drehbuchautor Florian Oeller über den Fall, der die komplexe Gemengelage am rechten Rand der aktuellen politischen Landschaft abbilden will. Dabei den Überblick zu behalten, verlangt dem Zuschauer einiges an Konzentration ab.

Bukow und König tappen lange im Dunkeln. Der Lösung des Falls kommen sie erst näher, als eine Gruppe von Rechtsterroristen den Hauptverdächtigen Karim Jandali entführt. Wie die rechtspopulistische Politikerin Schulte mit den völkischen Siedlern und den Rechtsterroristen verbunden war, bleibt schleierhaft. "War die eigentlich ein Nazi im Schafspelz auf dem Weg ins vierte Reich?", fragt Bukow König am Ende. "Schafspelz - trägt doch von denen sowieso keiner mehr", so Königs lakonische Antwort. Ein erschütternder Film, bei dem nichts so ist, wie es scheint: Einschalten!

Erstausstrahlung: 10.6.2018, 20.15 Uhr, Das Erste

Wie brutal ist der "Polizeiruf 110: In Flammen"?

Autor: Björn Sommersacher

8.6.2018, 8.57 Uhr

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